Urlaubsbericht aus Alanya von 2006

Von Annette, 24.02.2007

Nun sind mal locker acht Monate vergangen, seit wir aus Alanya wieder da sind und schon erscheint der Urlaubsbericht. Aber manche Sachen brauchen eben einfach ihre Zeit...
Der Sommer ist lange vorbei, so lange, dass wir uns eigentlich schon auf den nächsten freuen können. Den wir nicht in Alanya verbringen werden. Auch nicht in der Nähe. Auch nicht in der Nähe von 'in der Nähe'.

Doch ich fange mal besser am Anfang an. Am 10. Juni ging es los uns zwar vom Flughafen Düsseldorf aus. Mein bisher längster Flug. Gefühlt noch etwas länger ob des schnatternden Damenkegelkränzchens auf den umliegenden Sitzen. Doch schließlich kamen wir glücklich am Flughafen Antalya an, wo auch schon der Transferbus zu den Hotels in Alanya wartete. Der brachte uns dann ins Auffanglager für deutsche Touristen östlich von Alanya. Das Einchecken im Hotel 'Doris Aytur' ging erfreulich schnell und schon bald konnten wir von unserem Balkon im sechsten Stock aus den Blick auf die Idylle genießen: Zwischen Meer und Friedhof lag die Straße, auf der den ganzen Tag lang LKW hin- und herfuhren, die die umliegenden Baustellen belieferten. Und Baustellen gab es jede Menge.




Denn schließlich wollen Touris wir wir ja irgendwo untergebracht werden.

Gleich in den ersten Tagen haben wir viel Spannendes erlebt. Zum Beispiel haben wir gelernt, dass wir nicht nur keine Lebensmittel, sondern auch kein Wasser mit aufs Zimmer nehmen dürfen. Schließlich standen in der zimmereigenen Minibar ja immer mindestens zwei 0,3 Liter-Wasserfläschchen. Was bei den milden Temperaturen (von 40 Grad im Schatten oder so) eigentlich reichen muss. Und das Wasser hat auch nur 50 Cent oder so gekostet. Vielmehr 'hätte gekostet', denn wir haben bereits am ersten Tag in einem verbrecherischen Akt mehrere 1,5 Liter-Flaschen hochgeschmuggelt. Und auf unserem Balkon auch dem Konsum sonstiger illegal eingebrachter Genussmittel gefrönt.


 
Vom Balkon aus konnten wir beobachten, wie nebenan eine neue Bettenburg hochgezogen wurde - die Baustellengeräusche waren im Grunde kaum eine Beeinträchtigung, gingen sie doch im Straßenlärm fast unter.
Was wir auch verfolgen konnten, war die moderne Abfallbeseitigung - auf dem nahen Friedhof wurde, wenn Schnittholz und sowas verbrannt wurde, auch einfach der Müll mit ins Feuerchen geschmissen - qualmt so schön.


 
Was gab es sonst noch zu entdecken? Ach ja, darüber, dass das Hotel ein eigenes türkisches Bad - einen sogenannten Hamam - hat, hat uns ein netter Herr in Bademeisterkluft ganz schnell informiert. Er hat uns - und die anderen Gäste - gerne auch jeden Tag wieder informiert. Man vergisst ja so schnell... Die Akquisemaßnahmen gingen sogar so weit, dass die dösenden Brathühnchen am Strand (der auf der anderen Seite der Straße lag und durch eine Unterführung bequem zu erreichen war) aus ihrem Schlummer gerissen und gefragt wurden, ob sie sich denn nicht jetzt mal langsam die erste sanfte Sonnenbrandröte wegschubbern lassen wollen (na ja, er hat es, glaube ich, in etwas anderen Worten ausgedrückt).

Ich war im Laufe des Urlaubs sogar mal in einem Hamam - allerdings in einem in der Stadt. Ein Ausflug, der sich echt gelohnt hat - hab mich danach wie neugeboren gefühlt. Wir haben sowieso so viel Zeit wie möglich außerhalb des Hotels verbracht. Eine durch die Reiseleitung organisierte Tour war wirklich super: Zunächst ging es zur Burgruine, die hoch über der Stadt Alanya auf den Felsen liegt. Dann sind wir in Booten um eben jene Felsen geschippert (man kann an einer Stelle auch aus dem Boot aussteigen, durch einen Tunnel auf die andere Seite der Felsnase kraxeln und dort aus ungefähr fünfzehn Metern Höhe ins Wasser springen - haben wir uns aber nicht getraut). Danach gings in die Berge. Wir haben in einem tollen 'Flussrestaurant' geschlemmt: Das Essen wurde auf im Wasser festgezurrten Flößen serviert.


Auch der anschließende Besuch einer Tropfsteinhöhle hat uns echt staunen lassen.




Unsere Aufenhalte in der Stadt Alanya selbst waren dagegen meist etwas durchwachsen. Zwar haben wir ein nettes Internetcafe und einen tollen Musikinstrumenteladen gefunden (ich habe sogar eine Gitarre erstanden), das ständige Angequatschtwerden auf der Straße war aber doch sehr - gewöhnungsbedürftig. Wir brauchten auch einfach weder neue Schuhe, noch neue Sonnenbrillen, Jeans, Duftwässerchen, Schmuck...

Schöner waren unsere Ausflüge in die Gegend. Abseits der Brathühnchenbratstrände (deren 'Felsformationen' übrigens z.T. sehr so aussahen, als handele es sich um überschüssigen Beton, der vor langer Zeit einfach gen Meer gekippt und - erhärtet - dann von diesem rundgeschliffen worden ist) haben wir eine kleine Bucht gefunden. Dort konnten wir prima schwimmen und schnorcheln. Viele bunte Fische. Natürlich - unser Tauchprofi Mike hat da schon ganz andere Sachen gesehen, aber für mich war es echt interessant.
Und ein wenig wandern waren wir auch. Es war zwar gar nicht so einfach, den lieblichen Klängen der Presslufthämmer zu entkommen, aber wenn man es einmal geschafft hatte, waren Zikaden dann auch so ziemlich das Einzige, was noch zu hören war. Was Hitze angeht, bin ich allerdings ein kleiner Jammerlappen - in ein nasses Tuch gehüllt (Mike hat einfach ab und zu Wasser nachgegossen) konnte ich dann aber doch mitwandern.



Solche Ausflüge machen hungrig. Das Essen im Hotel richtig zu genießen gestaltete sich allerdings wieder etwas schwierig. Draußen mochten wir meist nicht sitzen, denn große Fahrzeuge wirbeln schon mal Staub auf, und wenn die Straße, auf der diese Fahrzeuge fahren, fünf Meter vom Esstisch entfernt ist, ist der Kaffee schon mal etwas körniger. Etwas unentspannt wurde es auch durch die Küchenhelfer, die uns unsere Teller meist schon wegrissen, bevor der letzte Bissen den Mund erreicht hatte. Das Essen war allerdings richtig gut und es gab auch immer reichlich - ein dickes Lob an die Küche.

Zu loben ist auch das Zimmerpersonal - die haben ihre Sache echt gut gemacht. Die Zimmer selbst waren einfach ausgestattet aber da war uns Komfort auch nicht so wichtig. Na ja gut, dass bestimmte Sender auf den Zimmerfernsehern immer mal wieder blockiert waren, hat uns schon ein ganz bischen gestört. Aber das war bestimmt Zufall, dass bei deutschen WM-Spielen immer gerade der übertragendende Sender nicht ging - zumindest auf den Zimmern. Unten am Pool konnte man die Spiele auf Großbildfernseher in geselliger Runde sehr wohl verfolgen - und dabei das eine oder andere Getränk konsumieren. Hintergedanken wollen wir aber natürlich nicht unterstellen...
Wir haben Fußball dann meist in einem kleinen Supermarkt um die Ecke geguckt. Da war der Fernseher zwar kleiner, aber der Besitzer war echt nett. Überhaupt haben wir zwischendurch immer wieder wirklich nette Leute getroffen. Und es ist sicher auch nicht leicht, es den Urlauberhorden rechtzumachen, von den Problemen, die ein solcher Ansturm verursacht, mal ganz abgesehen. Trotzdem - nochmal wollen wir nicht zu diesen Horden gehören. Die Reise war interessant und abenteuerlich, aber wir sind dann wohl doch nicht so die echten Pauschaltouristen. Die nächste Fahrt geht hoffentlich nach Frankreich. Vielleicht im eigenen Bus. Da dürfen wir dann so viel Wasser horten, wie wir wollen...